Rendevouz der Besten

(SQ)Prädikat: „ausgezeichnet“ für die Jazz-Dance Gruppen „Kolibris“ und „Embody“ Man stelle sich vor, wir schreiben das Jahr 1963. – Amerika. Herzensbrecher Jonny, Tanzlehrer in einem Feriencamp, lehrt tagsüber langweilige Standarttänze. Nachts rotieren seine Hüften im heißen, erotischen „Dirty-dancing-Stil“. Er trifft die Liebe seines Lebens. 1987 erobert ein Film die Welt mit gefühlvollen Liedtexten und erotischen Beats. 20 Jahre später immer noch eine der schönsten Liebesgeschichten der Welt.

Das wäre doch ein tolles Thema für eine gute Show, dachte ich mir und Jeannine war sofort begeistert von der Idee. Jetzt mussten wir nur noch unsere „Jugend“ überzeugen, in acht Wochen mal etwas ganz anderes einzustudieren. Als angehende Tanzlehrerin packte Nine sofort einige, der ihr geläufigen Jive-Grundschritte ins Aufwärmtraining. Jetzt ging es an die Mambo-Choreografie nach dem wundervollen Song: „Time of my life“, der viele Mädchenherzen höher schlagen lässt. Vielleicht aber nicht mehr, wenn man dann erfährt, dass man den männlichen Part des Paartanzes übernehmen soll… Da wir auch unsere neuen Mädels unbedingt integrieren wollten, kam uns der geniale Gedanke, auch mal im Tanz geschlechtergetrennt zu agieren und so dem wettkampferfahrenen Kern der Gruppe die Möglichkeit zu geben, schwierige Drehkombis zu zeigen, die natürlich im Kleidchen besser rüberkämen. So wurden unsere „Neuen“ zu Männern „verdonnert“. Alles in Butter, nur dass die meisten „Herren“ etwas kleiner und zierlicher erschienen als die „Damen“. Egal, echte Größe kommt ja bekanntlich von innen und wir gaben uns alle Mühe zu wachsen. In dem 6-minütigen Tanz, bestehend aus drei Teilen, versuchten wir verschiedenste Stilrichtungen und Bewegungsformen aufzunehmen und vielseitig zu kombinieren. Nun war es auch endlich soweit: Der Tag mit dem magischen Datum 07.07.07 war da!Embody

Das Akrobatikpärchen Caroline und Helge war im ersten Teil unser Glanzstück. Sie brachten mit ihren gefühlvollen, romantischen und teilweise halsbrecherischen Bewegungen das Publikum zum Träumen (war ja alles ohne Bodenmatte). Und wie sollte es anders sein, mit dem Titel „she’s like the wind“ und tänzerisch von uns eingerahmt mit einem sehnsuchtsvollem „Modern“. Jetzt folgte ein bisschen Jazz-Dance nach dem Klassiker „Yes“ (musik. Filmabspann), um ein bisschen Tempo in die Kiste zu bringen. Nun der Höhepunkt. Wir kennen alle die Szene im Film, als Jonny sich sein Babe zum letzten und ihm verbotenen Tanz der Saison schnappte. Und wer schnappte sich das Babe alias Jeannine, die nicht nur auf Grund ihrer Frisur viel Ähnlichkeit mit der weiblichen Hauptfigur des Kultfilms hatte? Paul schnappte sich das „schöne Kind“. – Wer ist eigentlich Paul ? – Paul ist derjenige, der seit über vier Jahren jede freie Minute an der Seite des „schönen Kindes“ verbringt, wenn es nicht gerade in Turnhallen, Tanzschulen oder auf diversen Bühnen ist. Wir hatten uns da vor einiger Zeit gedacht, der junge Mann sieht gut aus, er lernt schnell und er kann ohne Mühe das Mädel in den „Flieger“ heben. Na, und ein paar Salsaschritte kriegt doch wohl jeder auf die Reihe. Gesagt, getan. Wir stellten ihn vor vollendete Tatsachen und mussten nur noch ein kleines Zeitproblem bewältigen, da er aus beruflichen Gründen nur am Wochenende in Göttingen sein konnte. Aber alles lief gut und beim Auftritt grölten, schrien, pfiffen und jubelten die Publikumsmassen nur beim puren Anblick der verliebten Beiden. Diese Geräuschkulisse übertönte „ Gott sei Dank“ das Keuchen der Tänzerinnen, die sich unter enormem Zeitdruck ihr männliches Outfit zulegten. Als die „geborenen“ Machos stürmten wir auf die Fläche, präsentierten vor den erfreut kreischenden Damen auf den Rängen unsere frisch erworbene Männlichkeit und rissen nach den Klängen von „Time of my life“ die auf dem Tanzboden verbliebenen Mädels an uns. Zum krönenden Abschluss holten wir einige Zuschauer auf den Wettkampfboden, es sollte ja genauso sein wie im Film, nur eben nicht ganz so professionell. Die Sache erwies sich als nicht ganz so einfach wie gedacht. Also ich musste absolute Gewalt bei einer älteren Dame anwenden, indem ich sie auf die Fläche zerren musste und ihr mit flehenden Augen versicherte, dass sie nur ein bisschen „rumwackeln“ müsste. Na jedenfalls hatten wir alle einen Riesenspaß und für einige Leute war’s der erste Auftritt und dann gleich so ein Kaliber. Die hervorzuhebende Leistung der Gruppe ist für mich das zurückliegende Training in einer relativ großen Formation, in der unterschiedliche Tanzniveaus mit großem, gegenseitigen Verständnis vereint wurden. Ich sag nochmal, Leute ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß und Euphorie wie am 07.07.07, vor allem bei so einem begeisterten, rasenden Publikum und das als Startnummer 2.

Aber ich will auch unsere „Kolibris“ nicht vergessen. Unsere kleinen, bunten Vögelchen, an dem Tage auf die Trikotfarben blau-weiss begrenzt, hatten einen wahrhaften Leistungshöhenflug. Da fällt mir spontan Nicoles Song „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ ein. (Man soll ja immer aufpassen.) Sie bekamen von der Jury ebenfalls das Prädikat „ausgezeichnet“. Was für eine Freude. Sie hatten sich gegenüber dem letzten Jahr verdammt gesteigert. Lag das vielleicht an der tollen Besetzung? Die zwölf „Fußballprofis“ befinden sich im Moment nach vielgeteilter Meinung auf ihrem absolutem „Leistungshoch“. Die Veranstaltungsleitung beurteilte ihren Tanz als 100-prozentige Steigerung zum Vorjahr. Wir waren alle sehr stolz. Ich wünschte mir von Herzen, es bliebe so, aber man kann die Zeit nicht anhalten und wir werden sehen, was die Zukunft bringt, denn einige von der Gruppe angestrebten Veränderungen stehen an.

Zurück zum 07.07.07. Die Kids hatten ihren Auftritt ziemlich zum Ende der Veranstaltung. Nicht so einfach. Denn die oft akrobatikorientierten Gruppen (das ist nun gerade bei unseren Wettkampftänzen absolut verboten) beindruckten mit ihrem Einfallsreichtum der vielseitigen Darbietungen. Wie gesagt, viele Sportarten präsentieren sich ohne jegliche Altersbegrenzung. Und wenn man dann eine 40 köpfige Cheerleadergruppe sieht, die als amtierender Europameister (hatten dort eigentlich gar nichts zu suchen) spektakulärste Sprünge und atemberaubende Wurftechniken bringt, kann es einem schon etwas mulmig werden. Das war schon toll anzusehen, aber die waren eine Nummer zu groß für diesen Wettkampf. Wenn dann nächstes Jahr vielleicht noch Weltmeister im Kunstturnen oder Olympiasieger der RSG dazukommen, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn einem die Qualifikationsplätze weggeschnappt werden.

Aber kann ja alles mal passieren, wir sind viel gewohnt, und nehmen wie gewohnt alles geduldig hin. Das Positive an allen Veranstaltungen mit Wettkampfcharakter bleibt. Unabhängig von der Wertung der Jury fahren wir immer bereichert nach Hause, mit neuen Erfahrungen, Anregungen und schönen Eindrücken der grandiosen Vorführungen. Beide Gruppen haben sich leider nicht für das Landesfinale qualifiziert, doch der Aufwand hat sich trotzdem gelohnt. Wir schauen nach vorn. Viele Auftritte und Events warten auf uns, wie zum Beispiel am 08.12.07 Turngala

Ich hoffe, wir finden bei dem ganzen Trubel baldigst neue Ideen und Zeit für die nächste Wettkampfsaison.

Bis dahin heißt es wieder Mal tanzen, tanzen und nochmals tanzen.

Tschüssi eure Steffi

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