Der Schnellste ist nicht der Sieger

Als Thomas Engelbrecht zum letzten Mal die Pedale niederdrückte, und als erster Fahrer über die Ziellinie rollte, hatte er bereits verloren. Die letzten 20 Runden bestritt der Pedaleur vom RRV Hameln-Pyrmont alleine an der Spitze des Feldes. Und doch war es ein aussichtsloser Kampf, denn am Ende jubelte ein anderer.

Beim Göttinger Radkriterium ging es nicht um die schnellste Zeit, sondern um die erradelten Punkte in den insgesamt acht Wertungsrunden. Und da hatte Mathias Grünig die Nase vorn. Wie ein fleißiger Hamster sammelte der Fahrer vom Radsportclub Wernigerode Sprint für Sprint Punkte und ließ es die letzten Kilometer der 80 Runden, mit der Sicherheit, den Sieg bereits in der Tasche zu haben, etwas lockerer angehen.

„Als ich alleine an der Spitze war, wusste ich nicht genau, ob es noch zum Sieg reichen könnte. Ich habe einfach alles auf eine Karte gesetzt”, erklärte der Zweitplatzierte Engelbrecht nach dem Rennen. „Enttäuscht über den zweiten Rang bin ich aber nicht.” Auch der Lokalmatador Dirk Hoffmann zeigte sich mit seinem Ergebnis zufrieden. Nachdem er die erste Wertung für sich entscheiden konnte, musste er danach den anderen Fahrern den Vortritt lassen. „Ich fahre hauptsächlich Mountainbikerennen und daher ist der siebte Platz sehr gut”, betonte Hoffmann und ergänzte: „Ein Rennen vor heimischem Publikum ist natürlich immer etwas besonderes.”

Den Zuschauern bot der Veranstalter Tuspo Weende ein wahres Speichen-Spektakel und ein Hauch von „Tour de France” wehte durch die Göttinger Straßen. Fünf Rennen gingen auf dem 800 Meter langen Rundkurs mit Start und Ziel in der Goetheallee über den Asphalt und rund 200 Fahrer setzten im Anfänger-, Schüler-, Jugend-, Jedermann- und C-Lizenz-Rennen zum Sprint an. „Die Resonanz ist wirklich sehr gut”, unterstrich Frieder Uflacker, Tuspo-Trainer und A-Lizenzfahrer. „Ich habe selber Gänsehaut, wenn ich an der Strecke stehe. Ich kenne viele Fahrer, trainiere mit ihnen und einige betreue ich selber. Da kommt sofort Rennfieber auf.”

Für Zuschauer reizvoll
Durch die kurze Strecke kamen die Zuschauer am Rundkurs voll auf ihre Kosten. „Für das Publikum sind diese Rennen sehr reizvoll. Die Fahrer kommen oft vorbei und beim Kriterium wird durch die Punktewertungen im Rennen die Geschwindigkeit sehr hoch gehalten. Das sorgt für zusätzliche Spannung“, erklärte Margo Bargheer. Die viermalige Niedersachsensiegerin saß im vergangenen Jahr in Göttingen noch selbst auf dem Rad und siegte im Jedermann-Rennen. „Dieses Mal helfe ich etwas bei der Organisation, aber es juckt natürlich in den Füßen, wenn die Fahrer hier vorbeiflitzen.“ Mit bis zu 55 Kilometern in der Stunde sausten die Radler auf ihren Carbonrössern durch die Straßen und krönten ihre Sieger in den verschiedenen Klassen.

Am Ende ging das 3. Radrennen in der Göttinger Altstadt ohne Speichenbruch und ohne Plattfuß vorüber und der Veranstalter sowie Fahrer und Publikum erlebten einen Hauch der Tour de France, ein wenig Flair der „Großen Schleife“ direkt auf Göttingens Straßen.

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